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Wie ich meine europäischen Landschildkröten überwintere

Wenn Ende September die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken stellen die Schildkröten langsam die Nahrungsaufnahme ein. Das bedeutet dass der Stoffwechsel der Tiere nicht mehr normal abläuft. Dieser kommt aber nicht ganz zum Erliegen, sondern wird auf ein Minimum heruntergefahren. Im Freiland bedeutet das, dass sich die Tiere verkriechen und sich langsam eingraben.

Spätestens jetzt hole ich sie ins Haus bzw. Keller und bereite sie auf die bevorstehende Überwinterung vor. Ab jetzt dürfen sie keine Nahrung mehr aufnehmen. Die Winterruhe ist für Schildkröten im fortpflanzungsfähigen Alter unbedingt erforderlich, denn erst durch die Überwinterung wird dafür gesorgt, dass Samen und Eier im darauf folgenden Frühjahr befruchtungsfähig sind.

Zuerst wird der Allgemeinzustand bei jedem Tier kontrolliert. Es darf keine Verletzungen der Haut oder des Panzers haben. Dann wird jedes Tier einzeln, (einzeln deshalb um die Kotabgabe zu kontrollieren) in eine kleine Wanne mit lauwarmem Wasser gesetzt und gebadet. Dabei trinken die Schildkröten noch sehr viel und entleeren ihren Darm. Danach wird das Tier abgetrocknet und in eine mit Zeitungspapier ausgelegte Holzkiste gesetzt, die in einem ungeheizten Keller am Boden steht.

Am übernächsten Tag wird die Badezeremonie wiederholt und wieder zurück in die Kiste. Es folgt noch ein Badetag. Wichtig ist, dass mindestens dreimal Kot abgeht, um sicher zu sein, dass der Darm nahezu leer ist. Am darauf folgenden Tag werden dann die Haut und der Panzer der Schildkröte leicht mit Babyöl eingerieben um in der Überwinterungszeit gut versorgt zu sein.

Schildkröten haben während des Sommers im Freiland eine Körpertemperatur von 30° C, dadurch ist der Stoffwechsel voll im Gange. Der Körper nimmt Nahrung auf und scheidet Kot, Wasser und Harnsäure aus. Wenn während der Winterruhe die Körpertemperatur auf ca. 5° C gesenkt wird, werden die im Körper eingelagerten Fettreserven verwertet. Bei dieser Temperatur wird Atmung und Herzschlag auf ein Minimum abgesenkt. Dadurch verbraucht die Schildkröte nur sehr wenig Energie und kann dadurch die lange 5-6monatige Winterruhe überleben.

So und jetzt beginnt das große Problem. Wo herrschen in einem normalen Haus über einen langen Zeitraum, immerhin ein knappes halbes Jahr Temperaturen von 5° C bis maximal 8° C? Durch die modernen Heizungen sind folge dessen nahezu alle Kellerräume wesentlich wärmer und somit für die Überwinterung der Schildkröten nicht geeignet.

Deshalb verbringen meine Schildkröten ihre Winterruhe ungestört und bei exakten 5° C in zwei Kühlschränken im Keller. Mit Beginn der Badesaison meiner Schildkröten werden auch die Funktionen der beiden Kühlschränke überprüft in denen die Schildkröten dann ihre Winterruhe verbringen. Selbstverständlich werden die Kühlschränke vor dem Einbringen der Schildkröten sauber geputzt und anschließend mit leichtem Essigwasser ausgerieben. Die Temperatur wird auf 5° Celsius eingestellt.

Jetzt werden die Schildkröten, ihrer Größe entsprechend, in geeignete Kartons gesetzt in denen ein staubfreies Kleintierstreu etwa 3 cm hoch eingefüllt wurde. So kommen nun alle Schildkröten nacheinander Tag für Tag in einen der beiden Kühlschränke. Um ein Ersticken der Schildkröten im Kühlschrank zu verhindern, muss am Anfang alle paar Tage die Tür des Kühlschranks geöffnet werden, damit die Tiere noch genügend Sauerstoff bekommen. Im Laufe der Wochen bzw. Monate wird der Abstand von Türöffnung zu Türöffnung immer länger, weil die Tiere, wie oben schon erwähnt, ihren Stoffwechsel ja stark eingeschränkt haben. Etwa alle 4 Wochen wird die Feuchtigkeit der Einstreu überprüft und gegebenenfalls mit einer Blumenspritze die mit Wasser gefüllt ist etwas nach gesprüht. Bei dieser Überprüfung gelangt dann automatisch wieder frischer Sauerstoff in den Kühlschrank.

Das Gute an dieser Überwinterungsmethode ist, dass die Schildkröten von unserem winterlichen Wetter mit Schnee, Eis und Frost in ihrem Kühlschrank bei immer gleich bleibender Temperatur überhaupt nichts mit bekommen.

Im nächsten Jahr, Ende März, werden sie aus ihrer kalten Behausung wieder herausgeholt. Um dann den hoffentlich guten und warmen Sommer im Freigehege genießen zu können. So nun wisst ihr fast genau soviel wie ich.
 

Euer
Emil Sereinigg

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